Die Verwaltung möge im zuständigen Ausschuss berichten:
1. Wie wird die Sicherheit von Opfern gewalttätiger Partner bzw. Ex-Partner und Väter auch außerhalb von Frauenhäusern gewährleistet?
2. Hat die Verwaltung in Abstimmung mit Beratungsstellen ein Konzept für systematische Früherkennung drohender Gewalteskalation und wendet dieses auch an?
3. Welche Konsequenzen wird die Verwaltung aus den Morden in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade ziehen?
Begründung:
Am 29. Juni 2026 hat in Stade ein Mann sechs Mitarbeiter:innen einer Mutter-Kind-Einrichtung und des Jugendamtes erschossen. Die Tat steht in Zusammenhang mit einem Sorgerechtsstreit und kann dem Spektrum der Femizide zugeordnet werden, denn die Opfer des Schützen stellten sich in ihrer Funktion schützend vor seine Expartnerin und ihr Kind. Er tötete, um Kontrolle und Macht über die Frau und das Kind zu erlangen.
Die Tat steht trotz ihrer Dimension und der Auswahl der Opfer in einer langen Reihe von Tötungsdelikten gewalttätiger Männer an ihren Partnerinnen oder Ex-Partnerinnen und häufiger auch Kindern aus einem extrem patriarchalen Weltbild und Anspruch heraus. In der Öffentlichkeit wird diese weit verbreitete Bedrohung noch immer verharmlost. Der Fall Stade könnte ein Weckruf sein.
Expertinnen kritisieren, dass vor den Femiziden die Gewalttätigkeit und Bereitschaft der Männer, bis zum Letzten zu gehen, von Jugendämtern und Familiengerichten überwiegend unterschätzt wird. Das hat mangelnde oder fehlende Schutzmechanismen für Opfer von Femiziden, häuslicher Gewalt und zum Teil jahrelangen Bedrohungssituationen zur Folge. Wie der Fall in Stade gezeigt hat, kann dies auch fatale Auswirkungen auf Einrichtungen und Behörden haben.
Deshalb müssen die Bedrohungen systematischer analysiert und Konsequenzen gezogen werden. Aus diesem Grund sehen wir es als sinnvoll an, diese Anfrage im zuständigen Ausschuss des Gemeinderats öffentlich zu erörtern und damit das gesellschaftliche Bewusstsein zu schärfen.
