Pflanzenschutzmittel, PFAS und Arzneimittelrückstände
Die Verwaltung möge berichten:
1. Welche Pflanzenschutzmittel und deren Abbauprodukte werden im Rohwasser der Mannheimer Wasserwerke (Förderbrunnen) in welchen Konzentrationen nachgewiesen? Bei welchen Stoffen werden die Trinkwasserqualitätswerte im Rohwasser überschritten? Nach welchem Grenzwertsystem bewertet die MVV dabei die Metaboliten – als relevante oder nicht relevante Abbauprodukte?
2. Verfügt die MVV über Aufbereitungsverfahren (z. B. Aktivkohle, Ozonierung), um Pflanzenschutzmittel und deren Abbauprodukte aus dem Rohwasser zu entfernen? Welche Aufrüstungsmaßnahmen sind geplant?
3. Welche Arzneimittelwirkstoffe (insbesondere Carbamazepin, Sulfamethoxazol, Tramadol) werden im Rohwasser der Förderbrunnen in welchen Konzentrationen gemessen?
Wie haben sich diese Werte in den vergangenen Jahren entwickelt?
An welchen internen Richtwerten oder Vorsorgewerten orientiert sich die MVV bei der Bewertung, da gesetzliche Grenzwerte für Arzneimittelrückstände im Trinkwasser bislang fehlen?
4. Wie wirkt sich die Überlagerung mehrerer Schadstoffgruppen – Pflanzenschutzmittel, PFAS, Arzneimittelrückstände und Nitrat – auf den Aufbereitungsaufwand für das Mannheimer Trinkwasser aus? Welche zusätzlichen Aufbereitungsschritte werden bereits heute eingesetzt?
5. Verfügt die Stadt Mannheim über eigene Grundwassermessstellen oder Monitoring-Daten, die über die Rohwassergewinnung der MVV hinausgehen, und wenn ja: Welche Belastungen werden dort festgestellt?
6. Inwieweit reduziert die Stadtentwässerung Mannheim den Eintrag von Arzneimittelrückständen und Pflanzenschutzmitteln in Rhein und Neckar?
Welche weitergehenden Reinigungsstufen sind geplant – auch im Hinblick auf die Vorgaben der EU-Kommunalabwasserrichtlinie von 2024?
Welcher Zeitplan und welche Kosten sind damit verbunden?
7. Welche mittel- und langfristigen Maßnahmen ergreift oder plant die Stadtverwaltung gemeinsam mit der MVV und der Stadtentwässerung, um auch künftigen Generationen einen Zugang zu Trinkwasser – möglichst ohne aufwändige Aufbereitung – zu sichern?
Begründung:
Das grenzüberschreitende Forschungsprojekt ERMES-ii Rhein hat jüngst eine umfassende Bestandsaufnahme der Grundwasserqualität im Rheingraben vorgelegt. Zehn Jahre nach dem Vorgängerprojekt (ERMES-Rhein 2016) zeigt sich in den überwachten Bereichen keine nennenswerte Verbesserung. Der Rhein-Neckar-Raum ist dabei als einer der am stärksten betroffenen Bereiche des Untersuchungsgebiets identifiziert worden. An 96 Prozent der untersuchten 1.497 Grundwassermessstellen wurde mindestens ein Spurenstoff nachgewiesen; an 59 Prozent der Stellen wurde mindestens ein Trinkwasserqualitätswert überschritten. Die Belastung durch Pflanzenschutzmittel, PFAS und Arzneimittelrückstände – darunter insbesondere Carbamazepin – wird als „annähernd flächendeckend“ beschrieben und überlagert sich mit bestehenden Nitratbelastungen.
Die Studie macht auch deutlich, dass bestehende Kläranlagen nicht für die vollständige Elimination aller relevanten Spurenstoffe ausgelegt sind. Die EU-Kommunalabwasserrichtlinie von 2024 schreibt deshalb für Deutschland schrittweise technische Nachrüstungen bis 2045 vor.
Die Anfrage A001/2026 hat bereits wichtige Fragen zur TFA- und PFAS-Belastung des Mannheimer Trinkwassers sowie zur Rolle des Unternehmens Solvay bei der Neckarbelastung gestellt. Die vorliegende Anfrage knüpft daran an und erweitert den Blick auf die breitere Grundwasserbelastung durch Pflanzenschutzmittel und Arzneimittelrückstände sowie auf die technischen und planerischen Konsequenzen für Mannheim.
