Keine ÖPNV-Verschlechterungen für Neckarstadt-West, Friesenheimer Insel und Käfertal!

Der Gemeinderat möge beschließen:
Der Gemeinderat beauftragt RNV und MV mit folgenden Nachbesserungen bei den ab 01.06.2026 geplanten Änderungen im Mannheimer ÖPNV:
1. Die Buslinie 54 soll im Abschnitt Käfertal Bf – Rott – Spinelli – Vogelstang täglich bis 24 Uhr verkehren, wie es dem heutigen Angebot der Linie 53 entspricht.
2. Die Linie 45 soll weiterhin zusammen mit der Linie 50 einen 10-Minuten-Takt zwischen Waldhof Bf – Speckweg -Käfertal Feuerwache Nord bilden und eine Direktverbindung Waldhof – Käfertal-Zentrum – Käfertal Bf sicherstellen.
3. Die Buslinie 53, die heute täglich etwa zwischen 5 und 24 Uhr verkehrt, wird im Abschnitt Kurpfalzbrücke – MARCHIVUM – Friesenheimer Insel – Luzenberg – Waldhof – Gartenstadt – Käfertal Bf im aktuellen Fahrplanumfang beibehalten. Diese Linie soll insbesondere im Abschnitt Kurpfalzbrücke – MARCHIVUM – Friesenheimer Insel – Luzenberg nicht durch die verlängerte Linie 55, die nur im 30-Minuten-Takt verkehrt, ersetzt werden. Im Abschnitt Waldhof Bf – Käfertal soll alternativ die neue Linie 41 (bis zur perspektivischen Vereinigung mit der Linie 40, danach muss neu bewertet werden) dem bisherigen Fahrweg der Linie 53 folgen.

Weiterhin sollen RNV und MV folgende Maßnahmen prüfen:
4. Feudenheim soll ganztägig von Wallstadt aus mit Fips beibehalten erreichbar bleiben, um weiterhin Direktfahrten zwischen Wallstadt-Zentrum / Wallstadt-West und Feudenheim zu ermöglichen sowie eine bessere Anbindung der U-Halle zu gewährleisten.
5. Zumindest bis zu Durchbindung der Linie 16 nach Käfertal und in die Innenstadt (ab 2029/2030) soll die Linie 67 beibehalten werden. Außerdem ist eine Kombination mit der Linie 66, die dann auch nur noch während der Hauptverkehrszeiten und Schichtwechselzeiten verkehren sollte, zu prüfen (über Abraham-Lincoln-Allee), um auch Taylor-Nord weiterhin an Franklin und den Platz der Freundschaft anzubinden.
6. Die neue Tangentiallinie 41 soll durch Franklin geführt werden, um eine bessere Erschließung des Stadtteils zu gewährleisten und einen Umstieg zur Stadtbahnlinie 16 zu ermöglichen.
7. Sicherstellung der Erschließung von Seckenheim abends und zumindest der Arbeitstherapeutischen Werkstätten (ATW) in Neckarau durch Fips.

Begründung:

Die neue Tangentiallinie, die ab 01.06.2026 teilweise eingeführt wird, ist eine große Verbesserung für die Mobilität zwischen den Stadtteilen. Dennoch ergeben sich mit Entfall der Linie 53 und der geplanten Neuordnung und Reduktion weiterer Buslinien im Mannheimer Norden folgende Verschlechterungen im ÖPNV:
• Friesenheimer Insel, MARCHIVUM und Neckarstadt-West werden nur noch alle 30 min statt wie derzeit alle 20 min angefahren
• Im Zentrum von Käfertal fällt die Linie 53 im 20-Minuten-Takt komplett weg, wodurch sich tagsüber und abends ein schlechteres Angebot ergibt: Nach 20 Uhr verkehrt durch die Wormser Straße und nach 22 Uhr auch durch die Mannheimer Straße kein Bus mehr
• Spinelli, was als autoarmer Stadtteil mit Mobilitätskonzept entwickelt und beworben wird, ist ab 22 Uhrvollständig vom ÖPNV abgehängt
• In Gartenstadt-Mitte verkehrt nach 20 Uhr kein Bus mehr
• Die Fahrtzeiten zwischen Käfertal-Mitte und Waldhof sowie Käfertal und Friesenheimer Insel verlängern sich

Dass u.a. die hohen Verspätungen auf den Linien 53 und 55 als Argument dient, das Buskonzept derart anzupassen, ist nicht schlüssig. Bei einer Verlängerung der Linie 55 von Waldhof über Friesenheimer Insel zur Kurpfalzbrücke wird die Linienlänge vergleichbar mit der heutigen Linie 53 sein und dürfte genauso verspätungsanfällig sein.

Mit Entfall der Linien 57, 66 und 67 verschlechtern sich die Anbindung von Franklin, Taylor-Nord und Wallstadt. Die Fahrtzeit zwischen Vogelstang Zentrum und Käfertal verlängert sich. Die Kompensation mehrerer Buslinien durch Fips schließt Personen ohne Smartphone (Ältere, Kinder) von Mobilität mit dem ÖPNV aus. Auch aus Sicht der Barrierefreiheit ist dies negativ, da die Buchung von Fips für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen eine Hürde darstellt.

Durch Wegfall von Fips in Mannheim-Süd und Seckenheim entstehen weitere Angebotslücken.

Da die Software, auf der Fips basiert, Parallelfahrten zum übrigen ÖPNV ausschließt, ist die Vergrößerung des Bediengebiets auch im Tagesverkehr unproblematisch.

Im Rahmen des umfassenden Umbaus des Platzes der Freundschaft auf Franklin wurde eine Buswendeanlage errichtet, die mit dem neuen Buskonzept nicht mehr benötigt würde. Dies könnte sich schädlich auf mögliche Förderzahlungen auswirken.

Von den genannten negativen Angebotsanpassungen sind Berufstätige auf Friesenheimer Insel, Taylor-Nord und Neckarau (ATW), Besucher:innen des MARCHIVUM und zahlreiche Bewohner:innen in Neckarstadt-West, Gartenstadt, Waldhof, Käfertal, Spinelli, Franklin, Wallstadt und Seckenheim betroffen. Die in der Stadt Mannheim vorgesehene Verkehrswende durch Umstieg auf den ÖPNV wird mit Angebotsreduktionen im ÖPNV nicht erreicht. Im Rahmen des Green-City-Förderprojekts „Modellstadt Mannheim“ (2018 bis 2020) wurde aufgezeigt, dass Taktverdichtungen zu deutlichen Fahrgastzuwächsen führen. Bei Taktausdünnung und Streichen von Buslinien könnten demzufolge die Fahrgastzahlen sinken, was nicht Ziel der Stadt sein kann. Den Klimaschutzzielen und den Zielen des Masterplan Mobilität 2035+ wird dadurch ebenfalls nicht entsprochen. Daher sind dringend Nachbesserungen beim ab 01.06.2026 geplanten ÖPNV-Konzept erforderlich.

 

Foto: © RNV / Haubner