NS-Verstrickungen in Ausstellungen städtischer Museen dokumentieren

Der Gemeinderat möge beschließen:  Das REM, das Technoseum und die Kunsthalle Mannheim prüfen zukünftig bei jeder Ausstellung, ob die Personen, auf deren Beiträge darin Bezug genommen wird, durch eine Mitgliedschaft in der NSDAP oder in anderen nationalsozialistischen Organisationen oder eine Verherrlichung des Nationalsozialismus, seiner Protagonist:innen oder Taten mit dem nationalsozialistischen Regime im „Dritten Reich“ verstrickt sind. Sollte eine solche Verstrickung vorliegen, wird sie in der betreffenden Ausstellung und allen dazugehörigen Publikationen sichtbar dokumentiert.

 

Begründung:

Der Publizist Armin Jäger hat in einem Gastbeitrag im Mannheimer Morgen kritisiert, dass in der Ausstellung „Die Neue Sachlichkeit“ in der Kunsthalle Mannheim die Verstrickungen der Künstler:innen, deren Werke ausgestellt werden, mit dem Nationalsozialismus so gut wie gar nicht thematisiert werden. Vom REM werden nach Jägers Angaben sogar Lügengeschichten des Mannheimer Starfotografen Robert Häusser über einen angeblichen KZ-Aufenthalt seines Vaters ungeprüft übernommen, obwohl dieser SA- und Parteimitglied war.

Die Museen haben als die vielleicht wichtigsten Archive unserer Kultur und Zivilisationsgeschichte eine besondere Verpflichtung, die Erinnerung an die Verbrechen des NS-Regimes durch die Dokumentation nach wissenschaftlichen Standards wach zu halten. Dabei darf nicht verschwiegen werden, wer sich der Teilnahme oder Unterstützung schuldig gemacht hat. Verschweigen oder Verharmlosen trägt zu einer gefährlichen Geschichtsvergessenheit bei, die wir als Stadtgesellschaft auf keinen Fall dulden können, gerade in Zeiten, in denen die NS-Verbrechen und NS–Verbrecher:innen von bestimmten Kreisen und Parteien wieder salonfähig gemacht werden sollen.

 

Foto zur Ausstellung „Die Neue Sachlichkeit“: Görlitzer Sammlungen / Kunsthalle Mannheim
Foto Vordergrund: Bundesarchiv, Bild 183-G00825 / Stempka / CC-BY-SA 3.0